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Leading By Humans.

Als erfolgreicher Gründer könnte sich Andreas Leonhard eigentlich zurücklehnen. Doch sobald er entspannt, kommen unweigerlich neue Ideen und das nächste Projekt lässt nicht lange auf sich warten. Mit unbändiger Leidenschaft treibt der Gründer, Gesellschafter und Business Angel mehrerer Unternehmen immer wieder neue Pläne voran – und bringt diese erfolgreich zu Ende. Sei es mit dem Verkauf seiner Vkf-Agentur Quasar Communications, der Gründung der Sensation Marketing Agentur Passion People oder der Social Media Akademie, um nur einige zu nennen.

Umso glücklicher sind wir, dass sich Andreas die Zeit für ein ausführliches Interview mit uns auf dem Firmengelände des neuen Projektes Scraegg genommen hat. Natürlich wollten wir wissen: Wie erklärt er sich selbst seinen Erfolg? Welche Führungsqualitäten und Werte in der Zusammenarbeit sind für ihn wichtig? Und untrennbar damit verbunden: der Privatmann Andreas Leonhard. Wie schafft er den Ausgleich für sich? Und was wäre sein Plan B?

Andreas, wie würdest Du Dich selbst beschreiben, bezogen auf das, was Du tagtäglich tust?

Ich bin jemand, der gerne Projekte auf die Straße bringt. Das mache ich am liebsten. Alle Unternehmen, in denen ich momentan tätig bin, sind entweder noch jung, in der Start-up-Phase oder in ständiger Entwicklung. Immer wieder entwickle ich neue Ideen und Geschäftsfelder und überlege dann, wie ich Menschen dafür begeistern und die Idee zum Erfolg führen kann.

Siehst Du Dich eher als Entrepreneur, Erfinder, Initiator, Drahtzieher, Investor, Anführer oder Künstler?

Ich finde »Macher« trifft es sehr gut. Zwar habe ich verschiedene Rollen inne – mal als Gesellschafter oder in Geschäftsführer-Funktion mit großer Verantwortung im operativen Geschäft. Es gibt aber auch Firmen, wo ich als Business Angel in beratender Funktion beteiligt bin. Überall ist diese »Macher-Mentalität« wichtig.

Was hast Du benötigt, um dort zu stehen, wo Du heute stehst?

Seit meiner ersten kleinen GbR, die ich mit 16/17 mit Freunden gegründet habe, habe ich mich immer mutig in ein Projekt gestürzt. Wenn ich mich für eine Sache entschieden habe, dann habe ich daran geglaubt und hatte, neben dem Mut, auch die Geduld, Durststrecken durchzustehen. Es gab Projekte in meinem Leben, die kurz vor der Insolvenz standen, aber ich konnte das Ruder nochmal rumreißen, weil ich daran geglaubt habe. Diese Mischung aus Mut und dem bedingungslosen Glauben sind, so glaube ich, die wichtigsten unternehmerischen Eigenschaften. Sonst wäre ich heute nicht da, wo ich bin.

Woher stammt denn eigentlich Dein Mut?

Ich glaube, der ist angeboren (lacht). Ehrlich gesagt, habe ich mir die Frage noch nie gestellt. Er war schon immer da. Vielleicht hat es auch mit einer gesunden Portion Selbstbewusstsein zu tun, die ich schon immer hatte. Daraus hat sich gesunde Mischung entwickelt, sodass ich, wenn ich an eine Sache glaube, sie auch durchziehe.

Was war Deine Motivation, Gründer zu werden?

Ich war immer schon ein sehr kreativer Mensch. Meine erste große Firma war eine Werbeagentur. Andererseits habe ich mich über die Jahre auch als Mensch weiterentwickelt. Aber die Kreativität ist ein starker Antrieb, weil ich dadurch permanent neuen Ideen habe.

Hat Dir jemals jemand gesagt, dass Du es nicht bis dahin schaffen wirst?

Ich war schon immer jemand, der seine Ziele auch visualisiert, auch heute noch. In jeder Phase gab es natürlich auch Zweifler. Zum Beispiel gab es bei der Werbeagentur Bedenken wie »Vielleicht seid ihr irgendwann mal 10 Leute und habt eine Hand voll Kunden, aber der Markt ist so groß und es gibt so viele Wettbewerber, warum sollt ihr jetzt die eine Agentur werden, die es schafft, die richtig großen Kunden an Land zu ziehen?« usw. Solche Stimmen gibt es immer. Das gehört dazu.

Da bin ich resistent. Ich höre mir das natürlich an und habe auch gelernt die wertvollen Kommentare zu Herzen zu nehmen und zu überlegen, ob da etwas dran sein könnte. Es gibt ja neben den reinen Pessimisten auch konstruktive Kritiker. Letztere sind sehr wertvoll und da muss man offen genug sein, auch, wenn man noch fest an eine Idee glaubt. So kann ich eine Herausforderung vielleicht schon im Voraus erkennen, die ich selbst nicht auf dem Schirm hatte. Man kommt nämlich schnell in einen Tunnel, wo man nicht mehr nach links und rechts schaut.

Was würdest Du tun, wenn es das Internet nicht gäbe?

Das ist leicht zu beantworten. Vor dem Durchbruch des Internets in den 90er Jahren hatte ich einen Beruf bzw. eine Firma. Zunächst war es eine Eventagentur, dann kamen Promotion-Themen dazu und am Ende war es eine Holding mit mehreren GmbHs und Sparten darunter. Eigentlich fast schon eine Full-Service-Agentur. Events zu veranstalten fasziniert mich bis heute. Es gibt heute viele Schnittstellen zur digitalen Welt, aber das Ganze hat damals auch wunderbar ohne Internet funktioniert. Ich könnte mir vorstellen, da jederzeit wieder rein zu gehen.

Welche Rolle spielt das Internet für Dich und für Deinen beruflichen Werdegang?

Für mich als Privatmensch ist das Internet ein extrem praktisches Tool, das den Alltag in sehr vielen Situationen komfortabler macht. Beruflich ist es für mich mit diesem Cut verbunden, die Werbeagentur zu verkaufen. Ich konnte damals bei diesem Exit direkt raus gehen. Das war ungewöhnlich, hat aber funktioniert. Mein Schwager hat mich danach zu einem Community-Summit in Wiesbaden mitgenommen, wo sich Start-Ups präsentiert haben. Das war ein Aha-Erlebnis für mich. Dann habe ich angefangen, mich in dieses Thema einzuarbeiten und überlegt, wie ich eine Schnittstelle schaffen kann, zwischen dem, was ich schon aus der Marketing-Welt mitbringe und den Möglichkeiten des Internets.

Nach dem Verkauf der großen Agentur habe ich die Kreativagentur »Passion People« gegründet. Dort haben wir schon mit Social Media-Beratung angefangen. Das war sehr, sehr rudimentär. Aber wir haben an die Zukunft der Idee geglaubt und überlegt, wie wir die vielen Kunden, die von den neuen Möglichkeiten kaum etwas wissen, schulen können. Es sollte ein fertiges Schulungsprodukt von der Stange sein, das Unternehmen fit für die Herausforderung des digitalen Zeitalters macht. Das war die Geburtsstunde der Idee für die Social Media Akademie. Die Social Media Akademie hat auch von Anfang an sehr viel Zuspruch bekommen. Wir waren öfter auf Konferenzen und haben immer mehr Leute aus der Digitalbranche kennengelernt. So kamen die ersten Gespräche mit Start-Ups zustande, die gefragt haben, ob ich bei ihnen nicht als Business Angel einsteigen möchte. Ohne Internet wäre meine Karriere sicherlich nicht so verlaufen.

Nach welchen Kriterien wählst Du Freunde, Bekannte, Teamkollegen und Mitgründer aus?

Freunde sucht man sich ja nicht aus. Freundschaften entwickeln sich, man lernt Menschen kennen und man funktioniert miteinander oder nicht. Da kann ich mich auch wirklich glücklich schätzen, dass ich in meinem Umfeld einige richtig gute Freunde habe, die ich wirklich so nennen kann. Beruflich ist das anders. Da gerät man oft in eine Auswahlsituation, wenn ich einen Mitarbeiter einstelle, wir ein Gründerteam zusammenstellen oder ähnliches. Dabei achte ich auf bestimmte Werte. Ich sehe natürlich auch, ob jemand das fachliche Potential mitbringt, stelle aber nur Leute ein, bei denen ich das Gefühl habe, die würden auch auf einer persönlichen Ebene mit mir funktionieren. Dazu gehören Menschen, denen ich ein authentisches, ehrliches und loyales Auftreten abnehme. 

Einer meiner wichtigsten Werte ist Toleranz. Das wünsche ich mir auch von meinem Umfeld. Ein toleranter Lebensstil macht Dich offener und neugieriger. Du kannst viel mehr mitnehmen und lernen im Leben. Bei mir zeigt sich das darin, dass ich bewusst jedem Menschen erst einmal die Chance gebe, von ihm zu lernen, das Interessante an ihm zu finden. Das ist sehr schwer und ich will nicht sagen, dass es mir immer gelingt, mich von äußeren Eindrücken und ersten Erscheinungen komplett zu lösen. Das ist im Privaten ja genauso. Toleranz bedeutet für mich auch, den anderen machen zu lassen, wie er es für richtig hält, auch dann, wenn ich eine Sache vielleicht anders sehe. Ich höre mir an, was andere zu sagen haben und bringe auch meinen Standpunkt ein. Diese Toleranz hat mir schon sehr geholfen, meinen Horizont zu erweitern oder verborgene Potenziale in Menschen zu entdecken. Toleranz, Offenheit, Loyalität – danach suche ich bei den Menschen, mit denen ich Tag für Tag zusammenarbeite. Das ist sehr wichtig, um den Spaß bei der Arbeit zu erhalten.

Ist es das, was Du als Teamspirit bezeichnen würdest?

Das ist ein Teil davon. Irgendwann bekommst Du ein Gefühl dafür, ob die anderen den gleichen Spirit in sich tragen, also diese offene, tolerante Kultur. Die gab es in meinen Unternehmen von Anfang an. Es gab flache Hierarchien. Als Chef hatte ich bis vor kurzem nie ein eigenes Büro. Auch keine Sekretärin. Ich kümmere mich selbst um meine Termine. Das schafft viel mehr Nähe zu meinem Umfeld. Es gab schon immer eine Offene-Tür-Politik. Jederzeit kann jemand eine Idee oder Kritik anbringen. Die Anliegen meiner Mitarbeiter sind mir sehr wichtig.

Wenn man die Leute mit dem Spirit auswählt, lassen sich gegenseitige Unterstützung und ein Gemeinschaftsgefühl in eine ganze Firma tragen. Es gibt auch Einzelkämpfer, die vielleicht fachlich sogar besser sind, als ein Mitbewerber und 10 Kunden mehr bringen, aber diesen Spirit nicht haben. So jemand wäre für die Kultur im Unternehmen nicht gut. Ich habe auch schon sogenannte High-Potentials ziehen lassen, weil ich gemerkt habe, dass es nicht passt. Natürlich hat meine Persönlichkeit mich dorthin gebracht, wo ich heute bin, aber mindestens genauso sehr haben die Menschen, mit denen ich zusammengearbeitet habe, dazu beigetragen. Jede Unternehmung konnte nur so gut werden, weil die richtige Auswahl an Menschen zusammenkam. Es sind herausragende Teams entstanden, die diese tolle Unternehmenskultur unterstützen. Und das ist die Basis, einen herausragenden Job zu leisten. Das baut aufeinander auf.

Was würdest Du tun, wenn Du ab morgen kein Gründer bzw. Geschäftsführer mehr sein könntest?

Es gibt eine Liste, die ich fortschreibe, schon seit vielen, vielen Jahren. Manchmal kann ich Sachen davon abhaken. Da steht zum Beispiel drauf: ein Buch schreiben. Wahlweise ein Thriller oder ein Sach- oder Fachbuch über das Thema mit dem Spirit. Das würde heißen »Leading by Humans« oder »Leading by People«. Dann stehen noch Sachen drauf wie Schlagzeug lernen, Spanisch lernen und vieles mehr. Ein großes Vorhaben ist es, irgendwann mal Wurzeln auf Ibiza zu schlagen.

Welchen Stellenwert hat Ibiza für Dich? Warum fasziniert Dich diese Insel?

Da würde ich kurz ausholen, wie ich auf Ibiza gekommen bin. Ich glaube, seit fast 25 Jahren, wenn nicht noch länger, bin ich jedes Jahr einmal dort. Weil ich die elektronische Musik so gerne mag, habe ich mir damals mit ein paar Freunden vorgenommen, dorthin zu gehen und das anzuschauen. Die Partyszene hat mich sofort begeistert. Je öfter ich dort war, desto mehr vielseitige Menschen habe ich kennengelernt, die dort regelmäßig arbeiten und leben oder dort schon viel länger hingehen als ich. Das Spannende auf Ibiza ist, Du hast zwischen all diesen verschiedenen Hintergründen keine Klassen. Dort ist jeder mit jedem sofort per Du und setzt sich mit Dir auseinander. Auf Ibiza verschwinden diese unnatürlichen Grenzen komplett und es entsteht eine ganz eigene Energie.

Wie fühlt es sich an, immer wieder neue Dinge anzupacken und mit den verschiedensten Persönlichkeiten zu arbeiten?

Es dauert locker 5-7 Jahre, bis Du als Gründer in gutem Fahrwasser bist und weißt wohin die Reise geht. In dieser Zeit bin ich manchmal wie ein kleines Kind, voller Neugier und Aufregung. Ich kann es kaum erwarten, die nächsten Milestones zu erreichen oder spannende Leute kennenzulernen. Das ist einer der Hauptgründe, warum mir das Ganze so großen Spaß macht.

Gibt es so etwas wie einen »best moment« beim Gründen? Kannst Du diesen beschreiben?

Ein Moment, dem ich in der Gründungsphase immer sehr entgegen fiebere und wo ich auch ungeduldig und extrem glücklich bin, ist dieser Schritt von der Konzept- und Entstehungsphase zum Livegang des Produktes.

Kannst Du komplett abschalten?

Ich konnte das schon immer sehr gut, auch in stressigen Phasen. Wenn ich abends nach Hause komme, lasse ich das Ganze vor der Tür. Da hilft natürlich eine tolle Familie. Ich bin schon immer ein Mensch gewesen, der Situationen sehr gut akzeptieren kann. Wenn ich einen riesen Stress hatte, kann ich es sowieso nicht ändern. Warum soll ich das weiter mit mir herumtragen? Das funktioniert im Feierabend sehr gut und auch wenn wir Urlaub haben.

Wann weißt Du selbst, wenn es für Dich mal genug ist?

Ich versuche sehr viel auf meinen Körper zu hören und bin noch nie jemand gewesen, der wirklich unter zeitlichem Stress gelitten hat. Das lasse ich aber auch nicht zu. Ich bin sehr organisiert und versuche meinen Arbeitsalltag sehr effizient zu gestalten.

Über Andreas Leonhard.

Schon mit 15 war für Andreas Leonhard klar, später einen kreativen Beruf zu ergreifen. Er schrieb Drehbücher und wollte als Texter bessere Werbung machen, als die, die es bisher gab. Da Unternehmertum in seiner Familie Tradition hat, stand für ihn früh fest, sich selbständig zu machen. Das fing an mit der Gründung einer GbR, um Techno-Raves zu veranstalten, inkl. eigener Security-Firma. Das Studium hielt er bewusst kurz, um früh in die Praxis zu kommen. Schnell merkte er, was er beim Thema Events und Promotions anders und besser machen konnte und gründete die Agentur Quasar Communications, schon bald eine der größten und erfolgreichsten Below-the-line-Agenturen. Es entstanden Arbeiten für die MTV European Music Awards, Adidas oder Aral. Das Angebot für den Verkauf von Quasar Communications war allerdings so gut, dass er es nicht ausschlagen konnte – sein erster Exit.

Um seiner Kreativität freien Lauf zu lassen, gründete er 2007 Passion People, eine Agentur, die ausschließlich außergewöhnliche Ideen in den Bereichen Events, Guerilla, Promotion und Social Media umsetzt, zum Beispiel für Audi oder Rammstein. Da viele Unternehmen 2010 noch Berührungsängste und Nachholbedarf mit Social Media hatten, gründete Andreas in diesem Jahr die Social Media Akademie, das erste professionelle Weiterbildungsangebot für diesen Bereich. 2016 kam es hier zum zweiten erfolgreichen Exit in Andreas Karriere. Bis dahin erlangte es für seine Arbeit namhafte Kreativ-Awards, darunter der Barmer Paralympics Media Award, der Deutsche PR Preis, der Econ Award Unternehmenskommunikation Silber in der Kategorie »Social Media« und der EvA Award in Gold. Mit Scraegg stieg er schließlich 2017 als Co-Founder im Bereich Food ein und mit meisterklasse.de adaptiert er die amerikanische Idee von masterclass für den deutschsprachigen Raum. Was Andreas sonst noch antreibt, ist die Weitergabe seines unternehmerischen Spirits und Know-hows, das besonders stark von einem offenen Betriebsklima geprägt ist – ganz wie bei uns. Auf diesem Weg wurde er Co-Founder weiterer Unternehmen wie Sones, echofy, Sensorberg oder icgood.