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Goodbye, E-Mail?
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E-Mail, SMS, Messenger – und dann?

In Carl Zellers Operette »Der Vogelhändler« singt die Christel von der Post beschwingt ihr Lied, während ihr Arbeitsweg sie durch die weitläufigen Lande der Pfalz den Empfängern ihres Tascheninhaltes entgegenführt. »Ohne zu klagen kann man’s ertragen, wenn man dabei immer fröhlich und froh«, singt die Soubrette und tatsächlich gab es an dieser Situation aus damaliger Sicht nichts auszusetzen. »Denn bei der Post geht’s nicht so schnell« – die Worte der Briefchristel aus dem Libretto bilden die für das prätechnologische Zeitalter typische Haltung ab. Ein Brief brauchte eben seine Zeit.

Aus heutiger Sicht ist diese nachsichtige Gesinnung beinahe ein Horror-Szenario. Mittlerweile haben die immer kürzer werdenden Kommunikationswege den klassischen Postversand quasi zum nostalgischen Beiwerk verkommen lassen.
Ob die Christel von der Post ihr Liedchen heute noch so heiter schmettern würde, lassen wir einmal dahingestellt. Dass E-Mail, SMS, Messenger und Co. den Nachrichtenversand und die zwischenmenschliche Kommunikation per se revolutioniert haben, steht hingegen außer Frage. Grund genug, einen Rundumblick auf die Geschichte der Kommunikation und die Verheißungen der Zukunft zu werfen.

Ein Quantensprung: die E-Mail erobert die Welt.

Keine hundert Jahre nachdem die Figur der Briefchristel geschaffen wurde, betrat die E-Mail die Bühne der Welt. 1971 betätigte der amerikanische Programmierer Ray Tomlinson erstmals die »Senden«-Taste und schickte eine Nachricht innerhalb des Arpanets in ein anderes System. Postweg war damals noch ein Computerkabel, doch die weitreichenden Folgen dieser ersten Übermittlung sollten bald alle Begrenzungen sprengen. »Sagt das bloß keinem«, bat Tomlinson seine Kollegen mit besorgtem Blick in die Runde, »das ist nicht, woran wir arbeiten sollten.«

Doch es half nichts: der digitale Nachrichtenversand hatte bereits seine Sogwirkung entfaltet. 1981 trat schließlich die erste Mailing-Software »Sendmail« ihren Dienst an und übt ihn in einigen Systemen bis heute aus.
Zur Entfesselung der Möglichkeiten der E-Mail trug auch die Erfindung des World Wide Web bei, das zeitgleich seine Geburtsstunde feierte und Mails nicht länger auf ein Netzwerk oder ein Computersystem beschränkte.

Die erste E-Mail an einen deutschen Adressaten ging im Sommer 1984 von System zu System: über das Computer Science Network der amerikanischen National Science Foundation startete die Nachricht von Massachusetts aus auf ihre sekundenschnelle Reise an die Universität in Karlsruhe, wo bis heute an diesen Meilenstein der Digitalisierung erinnert wird. Seither hat sich an Format und Codierung der E-Mail nicht viel verändert. Ganz anders geht es da einer Entwicklung, die im Winter desselben Jahres ihre Schatten voraus warf…

Kurz, vielseitig, innovativ: SMS und Messenger-Dienste.

Ein Mitarbeiter der Deutschen Bundespost und ein Experte des französischen Telekom-Pendants erarbeiteten 1984 den ersten Standard für einen Kurznachrichtendienst. Die berühmte klassische Länge einer SMS leitete man dabei von Postkarten und Fernschreiben ab – sie alle umfassten durchschnittlich rund 160 Zeichen. Die konkrete Umsetzung für GSM-Netze erfolgte schließlich in Finnland und Ende der 1980er wurden die ersten Lizenzen für die Mobilfunknetze vergeben. Mit dem Ausbau der D-Netze in Deutschland oder dem Vodafone-Netz in Großbritannien schuf man in Europa die Basis für den Versand der ersten SMS, die 1992 im Vereinigten Königreich über den Äther ging: »Merry Christmas«, lautete der Inhalt. Gute Wünsche allein waren es allerdings nicht, die der SMS zum internationalen Durchbruch verhalfen. Es war vielmehr das Versprechen, mit jedem beliebigen Menschen zu jeder Zeit Gedanken, Informationen und mehr im Kompaktformat teilen zu können.

Ein viertel Jahrhundert später hat auch die SMS ihr 160-Zeichen-Korsett gesprengt und sich in einer Symbiose mit dem Instant Messaging zu einer zukunftsträchtigen Kommunikationsform entwickelt, die diese Versprechen weit übertrifft. Der Begriff der Instant Message entspringt dabei übrigens den Space Operas des Schriftstellers Paul Linebarger aus den 1960er-Jahren –Beweis dafür, dass alles Vorstellbare auch realisierbar ist? Die Messenger-Dienste unserer Zeit haben sich seit der Pionier- Erfindung der Software ICQ jedenfalls aller Reglementierungen entledigt. Via Smartphone, Tablet und Co. sind Geschäftspartner, Freunde und die Familie nur ein Fingerwischen entfernt. Vom schnellen Foto über Videoanrufe bis hin zum Versand von Geld oder Eintrittskarten – Messenger-Apps wie WhatsApp, Skype oder Facebook-Messenger machen es dank globaler Vernetzung jederzeit möglich. Aber wie geht es weiter?

Der Blick in die Zukunft: wir sind rund um die Uhr Online.

Während ein Erwachsener im Jahr 2017 es auf knappe drei Stunden Web-Nutzung auf dem Smartphone brachte, werden wir künftig den Begriff »online gehen« sinnentleeren. Die Schwellen verschwinden zunehmend und der Mensch wird das Netz mehr und mehr als Teil seines Alltags begreifen. Dazu gehören auch digitale Kommunikationsformen, die sich altbekannter Grenzen entledigen. Mikrokommunikation ist das Stichwort. Während der zwischenmenschliche Austausch in der Vergangenheit mitunter viel Zeit in Anspruch nahm, sind wir durch die permanente Vernetztheit im ständigen Austausch mit anderen. Vom Teilen erlebter Momente über kurze Fragen nach Befindlichkeiten bis hin zur geschäftlichen Terminabstimmung: Kommunikation wird schnell und einfach konsumierbar. Das Klären, Organisieren und Erledigen bestimmter alltäglicher Aufgaben wird zum Beiwerk, das mehr Raum schafft, um das eigene Leben selbstbestimmt und freier zu gestalten.

Tatsächlich sind herkömmliche Kommunikationsformen dadurch »bedroht« – doch kann von einem Verlust nicht die Rede sein. Der Zugewinn an Freiheit drückt sich vor allem durch bahnbrechende Technologien aus. Künstliche Intelligenzen können beispielweise den Austausch mit unserem Gegenüber vereinfachen und unterstützen. Durch das Erfassen unserer Daten wird eine ausgereifte Künstliche Intelligenz, die unser Leben via Smartphone, PC, Tablet und Smart Home teilt, unsere Bedürfnisse, Anliegen und Vorhaben berücksichtigen, wenn etwa Kurznachrichten oder Anrufe hereinkommen. Als digitaler Assistent schaltet sich die KI in diesem Falle vor oder liefert uns vor Gesprächsbeginn notwendige Informationen zum Anrufer. Sie setzt uns ins Bild, welche Belange besprochen werden oder wann der letzte Kontakt stattfand. Diese Hilfestellungen können Brillen mit Miniaturcomputern (z.B.: Google Glasses) auch beim Gang durch die reale Welt weiterführen. Die Gesichtserkennung oder das Abrufen von Daten über einen bestimmten Ort können uns wichtige Informationen liefern – die Kommunikation mit dem Gegenüber gestaltet sich nahbar und verbindlich.

Gehören etablierte Kommunikationsformen dadurch endgültig der Vergangenheit an?

Flexibilisierung ist der große Anspruch, der unsere bisherigen digitalen Kommunikationsformen herausfordert. Die SMS oder der Instant Messenger können noch in zehn oder zwanzig Jahren durchaus ihren Platz behaupten. Entwicklungen dafür sind bereits auf dem Vormarsch: so können Textnachrichten künftig von der KI im Smartphone vorgelesen werden, wenn wir beispielsweise keine Hand frei haben, um unsere Daten abzurufen. Alternativ werden immer genauere Diktierfunktionen unsere Sprache in Text umwandeln – Sprachbarrieren fallen dabei durch zwischengeschaltete Übersetzungs- und Analyseprogramme ebenso weg wie Rechtschreib- oder Syntaxfehler.

Was wir persönlich miteinander nicht teilen können, findet sich über die Sozialen Netzwerke. Komplexe Algorithmen zeigen neben spezifischer Werbung auch die Nachrichten und geteilten Inhalte unserer liebsten Kontakte an signifikanter Stelle auf. Hier fügt sich der sprachlichen und gedanklichen Steuerung der Devices eine visuelle Komponente bei: Die schnelllebige Bildsprache per Selfie, Urlaubsfoto und Co. lässt uns jederzeit aktuelle Umstände teilen und kommunizieren. Und weil die Perfektion dabei auch schwellenbildend sein kann, machen Apps wie Snapchat oder Funktionen wie die Instagram Stories die Vergänglichkeit modern und lassen aufgenommenes und geteiltes nach einer bestimmten Zeitspanne wieder verschwinden.

Und die E-Mail? Die erlebt aktuell ihre Hochphase: die Nutzung der digitalen Post hat sich seit 2010 verdreifacht. Doch in Zukunft wird sich die E-Mail zu den alternativen Messenger- und Chatprogrammen verhalten wie der heutige Geschäftsbrief zur E-Mail. Dokumente, verschlüsselte Daten oder Geschäftspapiere können und werden weiterhin per E-Mail versendet. Alles organisatorische und kurze Mails zwischen Kollegen oder Freunden lagern sich hingegen um zur Effizienz der schnelleren, sprachgesteuerten Kommunikation.

Grundsätzlich können Gedanken und Sprache als die Schlüsselelemente einer Kommunikation der Zukunft angesehen werden. Chips, die mit der Energie unserer Gedanken gespeist werden, tauschen sich nicht nur mit RFID-Geräten oder Beacons in unserer Umgebung aus. Statt eine Nachricht zu diktieren bringen wir z.B. auch per Gedankeneingabe eine Information auf den Weg. Die Sprache ersetzt hingegen den »Bedien-Finger«. Mit einem Wortbefehl an die Smartwatch können Flugtickets gebucht und an den entsprechenden Mitarbeiter weitergegeben werden; Worte wie »Gib XY Bescheid, dass er seine Unterlagen zum Zeitpunkt X an Ort Y abholen kann«, formuliert die KI eigenständig aus und versendet sie per Mail oder Messenger. Und die Sprachnachricht wird im privaten wie im geschäftlichen Austausch zum Ehrenwort, das Nähe herstellt und zeitliche Unabhängigkeit schafft.

Und was die Post betrifft, würde die Briefchristel (»Mein Amt ist herrlich, wenn auch beschwerlich«) staunen: Drohnen bringen wichtige Dokumente innerhalb weniger Minuten von A nach B und durch die Möglichkeit, Sendungen als privater Anbieter mitzuführen, verkürzen sich die Zeitabstände zwischen Briefaufgabe und – Auslieferung erheblich. Die Nutzung dieses Mediums wird sich dabei womöglich auf bestimmte Bereiche reduzieren: Online Shopping und amtliche Dokumente voran.

Näher, schneller, einfacher: die Kommunikation der Zukunft.

Einige Fragen bleiben dennoch: wie authentisch bleiben wir bei all diesen Neuerungen im Bereich digitaler Kommunikation? Schaffen wir es, trotz vorgeschalteter Systeme, die unsere Grammatik und Orthografie korrigieren, die eigene Persönlichkeit auszudrücken? Können wir Freundschaften über weite Distanzen hinweg fundiert pflegen, wenn KI und Apps bestimmte Formen des Austauschs übernehmen? Und fehlt dem Menschen nicht ganz allgemein etwas, wenn das haptische Element eines Briefes zunehmend verschwindet?

Die Antwort auf all diese Fragen liefert eine Gegenfrage: Wie authentisch wollen wir sein? Denn eine Echtheit, die uns tatsächlich nach außen hin repräsentiert, wird durch ein alle Bereiche umfassendes Netz erst möglich und greifbar. Misstrauen gegenüber der Technologie wird dabei dank verlässlicher Programme und permanent prüfbarer Funktionen nichtig; das Web wird Abdruck unserer Selbst. Und wie die Postbotin in der Operette schon wusste, passieren signifikante Entwicklungen »nur nicht gleich, nicht auf der Stell« – Fakt ist aber schon heute: die Zukunft der Kommunikation beginnt mit einer bleibenden Offenheit für kommende Innovationen.

Wie offen sind Sie für die Kommunikation von Morgen?

Die Digitalisierung wird immer konkreter: angesichts der Neuerungen im Bereich der Kommunikation klare Worte zu finden, mag schwierig sein. Doch steht im Wandel der Welt alles auf dem Prüfstand – das gilt auch für Ihre bisherigen Kommunikationsformen. Wir helfen Ihnen dabei, Ihr Potenzial zu nutzen und beraten Sie dabei, Ihre Strategieplanung zukunftsfähig auszurichten.

Über Timo Hess.

Unser Autor Timo Heß unterscheidet persönlich kaum zwischen E-Mail, SMS, WhatsApp oder Sprachnachricht. Kommunikation im digitalen Zeitalter soll schließlich so entspannt von statten gehen wie der Ruf »Komm’ rüber, wir lesen die neuste Ausgabe der ‚Erkenntnisse’ bei suchdialog« ins Zimmer nebenan. Ob bei der Textarbeit oder unterwegs auf der Suche nach der nächsten Inspiration: Timo Heß kann einfach nicht anders, als es anders zu machen. Der freie Autor, Texter und Hobby-Literaturwissenschaftler sprengt mit Leichtigkeit und Freude am Neuen die intellektuellen Grenzen jedweden Genres. Das Ergebnis sind Texte, die zum Frühjahrsputz der Sichtweisen herausfordern – am besten Mitten im gedanklichen Winter! Und bei allem wissenschaftlichem Eifer dürfen auch die schönen Seiten
unseres Alltags nie außer Acht gelassen werden. Für Timo Heß gilt: Mitten im Leben muss ein Texter stehen! Von da aus geht es mit der Lupe in der Hand mitten hinein in die Welt der neuesten Digitalisierungs-Trends.

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